Nach dem Junggesellenabschied
01. August 2010

Wenn Du erst verheiratet bist, ist das Leben vorbei.” Wie oft hören wir diesen abgedroschenen Spruch! Das letzte zünftige Erlebnis im Leben eines werdenden Ehemannes wäre demnach der Junggesellenabschied. Betrachtet man die Schlagzeilen um die Hochzeit der Prinzessin Viktoria von Schweden oder die Presse, die die englischen Thronfolger und viele andere Promis hartnäckig erzeugen, scheint sich das Vorurteil gegen Familie und Kinder zu bestätigen: Woche für Woche lesen wir neidisch davon, wie entweder diejenigen, denen der Junggesellenabschied noch bevorsteht, es „richtig krachen lassen” oder wie die, die ihren Abschied bereits gefeiert haben (sollten), hochdramatisch zugunsten anderer Vergnügungen Familie und Kindern verlassen.
Tobt hier das wahre Leben? Die Ratgeberliteratur schwört, man müsse sich lediglich richtig organisieren (empfohlen: Der Fortsetzungsband des Autors). Kolleginnen, der Freundeskreis die bucklige Verwandtschaft oder die Scheidungsstatistiken sprechen andere Worte. Egal, wem man glaubt - der Regenbogenpresse, der Biographie der Nachbarin, dem aktuellen Bestseller oder der Statistik: Es ist immer das Lebenskonzept der Anderen, dem man damit folgen würde. Entscheidend ist vielmehr, wie es sich für jeden selbst darstellt, und vielleicht, wann die Frage gestellt wird. Wem der Abend daheim, weil Oma keine Zeit fürs Babysitten hat, schon alleine beim Gedanken schmerzhaft den Freiheitsdrang beschränkt, für den gilt der alte Spruch ja wirklich - mag das zehn Jahre später immer noch oder auch nicht mehr zutreffen. Entscheidend ist: Man selbst sollte seine eigene Antwort kennen, denn das schlägt allemal jede Schlagzeile.

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